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Texte zur Urnenbeisetzung

In stiller Trauer

Still ist sie nicht meine Trauer.

Sie ist mehr wie ein weinendes Kind, das sich danach sehnt irgendwie gestillt zu werden.

Sie ist wie ein tosender Sturm, der alles in mir aufwirbelt und nichts hinterlässt als ein Trümmerfeld.

Still ist sie nicht meine Trauer, sie schreit und tobt und wütet,

fällt unerwartet über mich her und verlangt meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Sie zieht mir blitzartig den Boden unter den Füssen weg

und fragt mich ganz unbefangen nach dem Sinn des Lebens.

Still ist sie nicht meine Trauer.

Und doch, plötzlich, wird sie ganz unbegründet und ohne Vorwarnung

unerträglich still.

Mögliche Weiterführung:

und in diese Stille hinein gibt es einen den spricht:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. (Aus Jes. 43)

 

 

Ich stehe an einem Ufer.

Ein Segelschiff segelt in der Morgenbrise und steuert aufs offene Meer. Es ist ein herrlicher Anblick, und ich stehe da und sehe ihm nach, bis es zuletzt am Horizont verschwindet und jemand neben mir sagt:

Jetzt ist es nicht mehr da,

Nicht da! Wo dann? Nicht da für meine Augen, das ist alles…

Die Ferne und das Nicht-da-Sein sind auf meiner, nicht auf seiner Seite:

und gerade in dem Moment, da hier und neben mir, einer sagt: Jetzt ist es nicht mehr da,

gibt es andere, die es kommen sehen und andere Stimmen rufen freudig aus:

Da, da ist es.

Und das heißt Sterben.

Bischoff Charles Henry Brent

Geleitwort

Zum Paradies mögen Engel dich geleiten,

die Vorausgegangenen dich begrüßen

und dich führen zum Lichte Gottes.

Die Chöre der Engel mögen dich empfangen

und durch Christus, der für dich gestorben,

soll ewiges Leben dich erfreuen.

(aus der katholischen Begräbnisliturgie)

 



Psalm 23

Der Herr ist dein Hirte, nichts wird dir fehlen.  

Er lässt dich lagern auf grünen Auen und führt dich zum Ruheplatz am Wasser. 

Er stillt dein Verlangen; er leitet dich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. 

Musst du auch wandern in finsterer Schlucht, so fürchte kein Unheil; denn er ist bei dir, sein Stock und sein Stab geben dir Zuversicht. 

Er deckt dir den Tisch vor den Augen deiner Feinde.

Er salbt dein Haupt mit Öl, er füllt dir reichlich den Becher. 

Lauter Güte und Huld werden dir folgen dein Leben lang und im Haus des Herrn darfst du wohnen für lange Zeit.
 

 

Weinet nicht an meinem Grab um mich;
ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.

Ich bin der Wind über dem See
Christallglitzer auf dem Winterschnee.
Ich bin am Tag das Sonnengold,
ich bin der Regen herbstlich hold.

Ich bin das tiefe Himmelsblau,
der schöne frische Morgentau.
Sucht mich und blickt im Dunkeln
in die Ferne-
bei Nacht bin ich das Funkeln der Sterne.

Zündet für mich eintausend Kerzen an,
und vergesst mich nie- keine Sekunde lang.
Steht nich an meinem Grab, die Augen rot.
Ich bin nicht dort, ich bin nicht tot.

 

aus Gespräche mit Tieren, Penelope Smith,

 

Der Tod ist nichts,
ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.
Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt,
sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht nicht eine andere Redensweise,
seid nicht feierlich oder traurig.

Lacht über das, worüber
wir gemeinsam gelacht haben.
Betet, lacht und denkt an mich,
sprecht meinen Namen aus,
ohne Spur eines Schattens.

Das Leben bedeutet das, was es immer war,
der Faden ist nicht durchgeschnitten.
Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
ich bin nicht weit weg,
nur auf der anderen Seite des Weges.
 

 

Friede, eurem Herz.
Laßt süß die Zeit des Abschieds sein,
Laßt ihn Vollendung sein, nicht Tod.
Laßt Liebe zur Erinnerung werden
und Lieder aus dem Schmerz erblühn.
Laßt den Himmelsflug sein Ende finden
im Flügelfalten überm Nest.
Laßt eurer Hände letzte Zärtlichkeit
so sanft sein wie die Blüte einer Nacht.

 

Und saget eure letzten Worte jetzt
Hinein ins Schweigen.
“Ich neige mich vor dir.“

Tagore

 

 

Nun der Tag dich müd' gemacht,
soll dein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.

Hände, laßt von allem Tun,
Stirn, vergiß du alles Denken.
Alle deine Sinne nun
sollen sich in Schlummer senken.

Und deine Seele, unbewacht,
wird in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.

Joseph von Eichendorff

 

 

 

 

 

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